Bild + Wort

Meine Fotos tragen üblicherweise die Hashtags #herzundseele und #sagsmitbildern. Szenen, die mit Herz und Seele erlebt wurden und mein Bemühen, genau dieses allein in den Bildern und ohne zusätzlichen Text sichtbar zu machen. 

Aber wo bleiben meine vielen Gedanken in der Zeit des Wartens...? 
Was passiert mit den kleinen Geschichten hinter den Bildern?
Ich werde einfach mal anfangen, sie hier zu sammeln. Sie sollen nicht verlorengehen. 

Danke für euer Interesse!

Du bist nicht allein 



Ich war noch gar nicht richtig wach, stand jedoch, wie immer in der Dunkelheit dort draußen, unter Strom, weil ich mich ängstigte. Nicht vor den Tieren, sondern den Menschen. Denen, die ja dort vor Sonnenaufgang eigentlich nie unterwegs sind... Nun, wer einen solch großen Wunsch hegt, irgendwann im Leben mal einem Wolf begegnen zu dürfen, muss halt tapfer 'Dunkelheit üben'. 

Hirschkuh im Morgengrauen

Ich starrte also ins Leere und erschrak zutiefst, als ich die Hirschkuh vor mir erblickte. Sie stand dort ganz still. Wie lange schon? Weshalb hörte, sah oder spürte ich sie vorher nicht? Denn jetzt verströmte ihre Anwesenheit etwas so Intensives, das ich leider so gar nicht beschreiben kann. Wenn ich jetzt sage, dass sie es war, die mir das Gefühl gab, nicht alleine zu sein und sogar beschützt zu werden, haltet ihr mich für durchgeknallt oder zumindest esoterisch übergeschnappt. Macht nichts.

Keine Ahnung, wie lange ich sie ansah. Irgendwann hob ich die Kamera vorsichtig hoch und machte diese eine Aufnahme. Direkt im Anschluss ging sie langsam ihres Weges. Am Ende der Wiese drehte sie sich in meine Richtung um, harrte einen Moment aus und verschwand dann im Wald.
Ich verstaute die Kamera und blieb noch eine ganze Weile an diesem für mich magischen Ort. 
Man kann Herz und Seele nur dann ins Bild bringen, wenn man beides tief genug fühlt. 

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Speakers' Corner

Wenn auch nicht im Hyde Park und die obligatorische Kiste zudem gegen einen Pfahl getauscht, hielt sie ihre Rede. 
Leidenschaftlich, hintergründig, überzeugend. Und ganz der Regel folgend, zollte ich ihr Respekt und unterbrach die würdevoll Rednerin kein einziges Mal.
Ja, Zuhören kann ich. Reden allerdings noch besser. 

Nebelkrähe auf Pfosten

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Märchen

Früher war mehr Verlass auf Märchen. 
Oder heißt das Märchen etwa Märchen, weil es eben nichts anderes, als ein Märchen ist?

Ein Frosch muss tun, was ein Frosch tun muss.
Könnt ihr auch so viel in der Mimik der beiden lesen? Oder geht gerade nur meine Phantasie wieder mit mir durch...?

Es lebt sich nicht von Luft und Liebe allein...
Also lass ich ihn erst seine Libelle verspeisen, bevor ich ihn dann küssen werde, meinen Prinzen.

Manchmal kommt es anders, als gedacht.
Da wird nicht der Frosch zum Prinzen, sondern die Prinzessin zum Frosch.
Egal, Hauptsache sie leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

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💛💚🧡💙💜

Tage wie diese und Menschen, die sie ermöglichen. Wie gut, dass es sie gibt!

Herrliche Stunden, die sich wie ein Kurzurlaub anfühlen. Bis mittags noch gearbeitet und wenige Stunden später meine ersten Bienenfresser beobachten dürfen.
Wie sehr mich doch solche Erlebnisse in der Natur fesseln und begeistern!
Allein schon dieses schöne Licht, wenn der Tag sich dem Ende neigt und sich langsam Stille ausbreitet. Ich lächle auch jetzt noch vor mich hin - Tage später - und kann meine Dankbarkeit gar nicht in Worte fassen.

Die Fotos sind hierbei wirklich das Nebenprodukt und dienen eher als Mittel, sich immer wieder daran erinnern zu können, welch schöne Momente es im Leben immer wieder gibt.

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Mit ganz viel Liebe 



#herzundseele kann ich bei den Fellnasen einfach besser ins Bild bringen, als bei Vögeln. Was sagten zwei liebe Freunde letztens, meine Vögel seien sauber fotografierte Vogelaufnahmen, aber sie erzählen keine Geschichte. Und beide haben recht. 
Bei Fuchs und Hörnchen blicke ich immer in die Augen und sie schauen zurück, sie zeigen Mimik und Körpersprache. Wie bei einer Unterhaltung. Es sind ganz viele Punkte, die mir einfallen und die ich auf Vögel nicht übertragen kann. Selbst der Versuch, besondere Lichtstimmungen einzufangen oder zu arrangieren, macht es nicht besser. Vielleicht wird es die Zeit bringen, vielleicht liegt es aber auch schlicht an mir selbst. 
Man kann Herz und Seele nur dann ins Bild bringen, wenn man beides tief genug fühlt. 

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Zugabe 


Blaukehlchen von vorne als Nahaufnahme war relativ einfach. Ihr wisst schon, Blaukehlchen in 3 Akten (siehe weiter unten).
Blaukehlchen wiederzufinden, gestaltete sich hingegen um einiges schwieriger. Vielleicht hätte ich nicht immer nach dem Blau suchen sollen, sondern mir das Vögelchen vor der Suche mal genauer ansehen sollen...

Fazit: Ich bleibe bei meiner Taktik, nehme mit, was sich zeigt und schaue zu Hause, was es war.
Et voilà: Blaukehlchen von hinten.

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Out of the box


Ich freue mich immer wieder mächtig, wenn mir jemand sagt: 
"Ich hab da ein Foto gesehen und wusste sofort, dass du das gemacht hast, Viola."

Und doch möchte ich auch anderes probieren. Weg von dem bekannten und damit bequemen Fotografieren, wie ich es sonst immer tue. So, wie hier bei diesem Bild, hinter dem mich sicher niemand vermutet. 
Ob es nun gefällt oder nicht, ist ja eh immer eine persönliche Geschmacksfrage.

Einfach auch mal anders an Dinge herangehen. 
Schärft den Blick, fördert die Kreativität, lehrt den Umgang mit der Kamera und - ganz wichtig - macht Spaß. Wenn man sich erst einmal überwunden und gewohnte Wege verlassen hat.

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Blaukehlchen in 3 Akten

Prolog: Es kommt selten vor, dass ich mich mit einem ganz bestimmten Motivziel auf den Weg mache. Ich entdecke so viel mehr Schönes, wenn mein Blick offen für alles um mich herum ist. Nun fragte mich aber ein Bekannter, ob ich mitkommen wolle, er möchte Blaukehlchen fotografieren. Gesagt getan, wir fuhren zu einem unserer Lieblingsplätzchen, an denen ab und an mal eines gesichtet wurde und die Warterei ging los.

Waschbär

1. Akt

Ich sitze mit der längsten meiner Brennweiten am Boden, blicke durch den Sucher und scanne das Umfeld vor mir.
Fotografen unter euch kennen das ja sicher, wenn ihr ein großes Tele im Einsatz habt und plötzlich der Blick versperrt wird. Ich weiß dann immer nicht, ob es wirklich gut ist, dass ich 'den Schrecken' sofort fotografiere, statt zunächst meinem Gehirn die Zeit zu geben, zu erkennen, wer/was mich gerade erschreckt.
Jedenfalls guckten mich plötzlich beinahe formatfüllend 2 Augen an. Ich hatte das Gefühl, gleich würden unsere Nasen zusammenstoßen. Erst ein vorsichtiger Blick über die Kamera zeigte, dass der Besucher doch noch ein ganzes Stück entfernt von mir stand.
Bleiben wollte er nicht. Ich aber schon. Hatte ja das Blaukehlchen noch nicht entdecken können.

Bluthänfling

2. Akt

Ich weiß ja nicht, wie es euch ergeht, aber weshalb sollte ich während des Wartens auf das Blaukehlchen nicht auch einen Bluthänfling fotografieren dürfen? Er kann ja nichts dafür, dass seine Kehle nicht blau ist!

Unser Warten ging also weiter. Für den einen (Hochkonzentrierten) vielleicht weniger freudig, als für die andere, die überall begeistert kleines Flatterzeug entdeckte... 

Blaukehlchen

3. Akt

Geschafft! Mein erstes Blaukehlchen-Foto.

Klar, ich freue mich, dass mir ein paar Fotos geglückt sind und es nicht nur beim Anschauen aus der Ferne blieb. Aber eigentlich geht es mir gar nicht um das Foto.
Für mich hat sich erneut bestätigt, dass ich nicht dafür geschaffen bin, auf einen einzelnen Vogel anzusitzen. Mir macht es einfach keinen Spaß, so fixiert zu sein und alles andere um mich herum auszublenden. Warten kann ich stundenlang, aber ich möchte diese Zeit aufmerksam für alles, was ich sehe, höre und spüre, nutzen. Wenn sich gerade schönes Licht zeigt, dann sehe ich dort hin und erfreue mich daran. Wenn der Wind in den Blättern raschelt, dann höre ich zu. Wenn ein anderer Vogel am Himmel kreist oder vor mir herumhüpft, dann verstelle ich eben schnell meine Kameraeinstellungen. Möglicherweise verpasse ich dabei gerade DEN besonderen Moment, an dem ich DAS Foto hätte machen können. Na und?!

Epilog:  Dieser Blaukehlchentag hat wieder einmal so dermaßen viele Eindrücke geliefert, dass ich auch jetzt noch vor mich hin lächle.
Ich komme von solch einem friedlichen Tag in der Natur voller Energie und Dankbarkeit nach Hause. Es ist immer wieder ein bisschen wie neugeboren werden. 

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Zufriedenheit

Diesem Schwan ging es wohl ebenso, wie vielen von uns (manchmal) auch.
Das Gefühl, auf der falschen Seite zu stehen, woanders hinzuwollen, weil es dort schöner scheint, etwas haben zu wollen, das man selbst nicht hat...

Eine ganze Weile schon machte er einen langen Hals, und irgendwann mühte er sich aus dem Wasser aufs Land. Als er dort angekommen war, sah er sich um und musste festzustellen, dass es dort ganz anders war, als er es erwartet hatte. Lange nicht so schön, wie es vom Wasser aus zuvor aussah. Er vermisste schnell das kühle Nass um sich herum. Und wieder machte er einen langen Hals. Diesmal dorthin zurück, woher er kurz zuvor ja bereits gekommen war...

Und die Moral? Für die einen sicher der größte Blödsinn, weil der Schwan natürlich nur nach Futter suchte. Die anderen werden vielleicht sagen: "Ja, das kenne ich. So geht es mir auch ab und an."
Vielleicht sollten wir mehr schätzen, was wir haben, wo wir leben dürfen, wen wir an unserer Seite haben, statt immer Neuem oder Anderem hinterherzujagen. 

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Wer kann am Längsten?

Er saß und saß und saß. Wir aber hatten alle Einstellungen auf (Ab)flug eingestellt. Immerhin lernt man sich in solch einer Situation auch besser kennen. Wir den Eisvogel, ich meinen Begleiter (ich kann länger stillsitzen...) und der Eisvogel uns. Er hatte schnell bemerkt, dass er nur lange genug warten müsste, bis unsere Konzentration nachlassen und wir den magischen Moment verpassen würden.

Eisvogel, Viola Hermann Berlin

Aber nett, wie er war, gab er uns nach einiger Zeit eine neue Chance.


Eisvogel im Flug, Viola Hermann

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Erster Mensch im Leben eines Haubentauchers

Schnell kann es manchmal gehen. Ein Tok, Tok, Tok, ein Knacks und die Schale bricht. Aus dem Ei kämpft sich mit Mutters Hilfe ein kleiner Winzling.
Wusstet ihr, dass die kleinen Küken direkt nach dem Schlüpfen schon schwimmen und tauchen können? Und dass sie, liebevoll auf dem Rücken eines Elternteils sitzend, mit Federn gefüttert werden, um den kleinen Magen vor Fischgräten und harten Insektenteilen zu schützen?
Nur mit dem Festhalten klappt es manchmal noch nicht so recht, wenn Mama sich erhebt...
Für euch ist das vielleicht alles nichts Neues, für mich aber wieder ein Kapitel zum Staunen. Das Leben ist ein Wunderwerk.

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aurora habet aurum in ore

Unterwegs auf der Suche nach Antworten, nach dem (Morgen-) Licht und nach Glücksmomenten.
Bis auf einen Vorfall, der meinen Herzschlag ordentlich durcheinander brachte (eine Fotografin in Volltarnung tauchte im Wald aus dem Nichts auf. Wobei genaugenommen eigentlich ich diejenige war, die aus dem Nichts auftauchte, sie stand ja ganz still...) habe ich so viel mehr gefunden, als erhofft. Meine ersten Feldhasen, Kraniche, ein Reh, allerlei kleine Vögel und endlich auch eine Goldammer.
Ja, Morgenstund hat Gold im Mund!
Und meine Antworten werde ich auch irgendwann finden. Und falls nicht, werde ich einfach die Fragen ändern...

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Im Einklang 

Wie gut, dass es diese bezaubernden Momente im Leben gibt. 
Wunderbare Stunden mit besonderen Menschen. Ruhe und Frieden im Herzen. 
Und sei es auch nur für den Augenblick. 
Ich glaube, dieses schöne Foto, dass ein Freund von mir gemacht hat, spiegelt sehr gut all das und noch viel mehr. 
Ja, in diesem Augenblick fühle ich mich geerdet, angekommen und völlig versunken beim Blick über das Wasser. Beim Lauschen und Beobachten der Vögel. Eins mit der Natur und mit mir im Reinen.  

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Die Stille stellt keine Fragen.
Aber sie gibt Antworten.

Früh am Morgen auf der Wiese. 

Ein wenig später wird die Stille dann abgelöst von innerer Ruhe, die sich zusammen mit dem lautstarken Erwachen des neuen Tages in mir ausbreitet. Manchmal zumindest. Und wenn es mal nicht so ist, dann weiß ich aber, dass es an einem anderen Morgen wieder so sein wird. 

All diese wunderbaren Vögel zeigten sich in recht kurzer Zeit im Umkreis von wenigen hundert Metern. 
Kann es schöneres geben, als so in den Tag zu starten?

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Geduld

Ach, wäre ich doch in meinem 'anderen' Leben ebenso geduldig, wie ich es beim Beobachten und Warten in der Natur bin...
Aber nein, ich überfahre ich so viele Menschen mit meinem Tempo, anstatt sie mitzunehmen.  
Alles muss immer hier, jetzt, sofort und nach meinen Vorstellungen geschehen.
Mit dem Kopf durch die Wand. Ja, so bin ich leider.

Hätte ich mich am See so verhalten, wie ich es im Alltag tue, hätte ich den Drosselrohrsänger wohl gehört, aber nie zu Gesicht bekommen.
Er hätte sich weiterhin vor mir versteckt oder wäre einfach auf und davon geflogen.

Merkwürdig, hier draußen bin ich die Ruhe in Person, ein anderer Mensch. Nichts muss, alles kann.