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Mama Fuchs

Silvester war es, als ich meine liebe Füchsin das letzte Mal zu Gesicht bekam. Seitdem wartete ich vergebens auf ein Lebenszeichen von ihr. Ich kannte das ja schon aus dem letzten Jahr, als sie im Winter verschwand und erst im Frühling, zusammen mit ihren Jungen, wieder auftauchte. Von daher blieb meine Sorge diesmal begrenzt. Und gestern war es dann so weit. Sie stand bei Kälte und Regen vor mir.

Hübsch sieht sie aus, war mein erster Gedanke. Aber wie schon so oft ließ ich mich von ihrem lieben Gesicht täuschen. Als ich ihren Körper betrachtete war das bekannte 'ach herrje' wieder da. Wie im letzten Jahr war sie abgemagert und sie wirkte sehr erschöpft. Ein auffälliges Humpeln stärkte den Eindruck noch.

Also wieder Junge? Als hätte sie meine Gedanken gelesen zeigte sie mir ihren Bauch. Oh, das sah nach sehr energischen Jungen aus...

Als sie langsam wieder loslief, folgte ich ihr in einigem Abstand. Sie drehte sich immer wieder zu mir um und wartete. Mein Herz hüpfte. Dachte ich doch tatsächlich, sie würde mich auch in diesem Jahr wieder zu ihrem Bau führen. Aber ich folgte ihr vergebens. 

Eine halbe Stunde später schlüpfte sie durch einen Zaun und verschwand hinter einem Gebäude. Hier hat sie sich und ihre Jungen also vielleicht versteckt. Für mich unerreichbar und nicht einsehbar. Im ersten Augenblick war ich mächtig enttäuscht, doch inzwischen freue ich mich für meine schlaue Füchsin. Hier wird sie hoffentlich ihre Jungen in Ruhe aufziehen können und nicht wieder von respektlosen und aufdringlichen Fotografen belagert werden.

Und wer weiß, die Kleinen werden ja irgendwann flügge und suchen sich ihren Weg...